Ikea und Verdana

Ob man die beiden als Mädchennamen benutzen darf? Wahrscheinlich nicht… Egal, will ich sowieso nicht machen, die Überschrift habe ich aus einem anderen Grund gewählt: Ikea hat einen neuen Katalog herausgegeben und alles ist in Verdana gesetzt. Früher war’s eine angepasste Version der Futura. Noch mal zum Vergleichen (ich hab einfach die Futura genommen, die ich auf der Platte habe, wahrscheinlich stimmt’s nicht 100%ig):

Verdana vs Futura

Verdana vs Futura

Ok, natürlich kochen die Emotionen hoch. Die Szene explodiert so richtig und Twitter verzeichnet wahrscheinlich wieder mal ziemlich hohe Zugriffszahlen. Verdana sei billig und sähe gedruckt nach nix aus. Ich lese ständig, dass Ikea ja auch billig sei und es von daher gut passen würde. Und ob nun die Verdana gedruckt nach nichts aussähe, gut, darüber könnte man streiten. Ich habe sie jahrelang als Standardschriftart für alle Druckprodukte des Virtual Linguistics Campus benutzt, bis ich sie irgendwann über hatte und durch die Chapparal Pro ersetzt habe.

Tatsächlich habe ich also so meine Probleme mit der Verdana. Sie sieht, im Gegensatz zur Futura, die 1927 entworfen worden ist und mit der ich in den Siebzigern und Achtzigern aufgewachsen bin und die, wie ich finde immer noch nicht veraltet ist. Warum aber dieser zugegeben etwas übertriebene Aufruhr im Buchstabenland wie die Süddeutsche titelt? Was muss der arme Designer der Verdana denn jetzt denken? Wahrscheinlich das Gleiche, das sich der Designer der Comic Sans immer gedacht hat.

Dass die Angleichung von Online und Print als Argument für eine Einführung der Verdana im Katalog angeführt wird, finde ich sehr interessant. Gerade wo man eine Vielzahl von Versuchen beobachten kann, wie man online Schriftarten auf elegante Weise einbinden kann, also genau den umgekehrten Weg zu gehen versucht.

Unbestritten ist sicherlich, dass die Verdana eine der besten Schriftarten ist, was Lesbarkeit auf dem Bildschirm anbelangt. Allerdings finde ich auch, dass man, wenn man in ein paar Jahrzehnten ein (gedrucktes) Design haben möchte, dass explizit nach den 1990er Jahre aussieht, die Verdana durchaus im Auge behalten muss. Sie ist typisch für die Zeit. Interessant, dass die Designer des Katalogs sich darüber keine Gedanken gemacht haben.

Man kann aber an der ganzen Aufregung auch ablesen, wie stark das Corporate Design gewirkt hat, dass Ikea seit 60 Jahren ausweist. Seit ich Ikea Möbel kaufe, kann ich mich daran erinnern, dass im Katalog und in den Häusern immer Wert darauf gelegt wurde, dass die Möbel von bestimmten Designern gestaltet wurden. Beim allgegenwärtigen Billy Regal wurde nun sogar im neuen Katalog der entsprechende Designer vorgestellt. Eine Schriftart mit der jeder Texte gestalten kann – und es auch oft tut – eignet sich nicht zum Transport dieses Images.

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