Pecha Kucha Präsentationen

Seit vier Semestern (in diesem zum fünften Mal) lasse ich meine Studierenden eine besondere Form der Präsentation halten: die Pecha-Kucha-Präsentation. Der Titel stammt aus dem Japanischen und bedeutet soviel wie „wirres Geplauder, Stimmengewirr“. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Art der Präsentation eine sehr gute Übung für das Halten von Präsentationen ist. Der wichtigste Punkt, der mir dabei einfällt, ist: Selbstbeschränkung.

Wer kennt sie nicht, die Präsentationen, bei denen man ungläubig mit dem Kopf schüttelt, weil der/die Präsentierende zu viel oder zu wenig zu einem Thema sagt und nicht fähig bzw. willig ist, die vorgegebene Zeit einzuhalten. Wie oft habe ich schon gehört, dass sich Präsentierende vorab die Absolution des Publikums einholen, dass sie eventuell zu lange reden und dass das Publikum doch bitte die Rede unterbrechen soll, wenn’s zu arg wird. Das kann doch nur bedeuten, dass es am Ende immer unwichtiger wird.

Die strenge Form der Pecha-Kucha-Präsentation – 20 Folien, für jede Folie 20 Sekunden Zeit – stellt eine Herausforderung dar, wenn man es nicht gewohnt ist, das Reden zu beschränken. Ich wandle diese Form in meinen Kursen gewöhnlich etwas ab, nämlich zu 15 Folien. Damit hat jeder Präsentierende 5 Minuten Zeit, wichtiges von unwichtigem zu trennen.

Als Tipps für den Ablauf der Präsentation geben ich meinen Studierenden Folgendes mit auf den Weg:

  • Trennen Sie am Anfang das Wichtige vom Unwichtigen.
    Was müssen Sie dem Publikum unbedingt über Ihr Thema mitteilen, was kann weggelassen werden? Was interessiert das Publikum? Was sind Ihre zentralen Thesen?
  • Teilen Sie das was Sie sagen wollen in kleine Portionen auf.
    Ideal ist es natürlich, wenn Sie gleich auf 15 Portionen kommen, Sie können aber auch noch später hin und her schieben.
  • Machen Sie sich Zettel mit Stichpunkten, die Sie während der Präsentation ausformulieren.
    Ideal sind 2-3 Stichpunkte pro Zettel, jeder Zettel korrespondiert mit einer der 15 Folien.
  • Überlegen Sie sich, was zu den Stichpunkten als Visualisierung auf den Folien zu sehen sein soll.
    Dabei kann es sich um Text, Screenshots, Bilder, Animationen oder kurze Videos handeln, Hauptsache, diese Elemente haben einen Bezug zu dem, was Sie sagen.
  • Benutzen Sie die Pecha-Kucha-Vorlage (PPT-Datei), in die Sie Ihre Elemente einfügen.
    Beachten Sie dabei, dass der Countdown auf jeder Seite sichtbar bleibt. Sie können die Ebenenreihenfolge in PowerPoint verändern.
  • Üben Sie die Präsentation.
    Sie werden sehen, dass es gar nicht so einfach ist, die Zeit einzuhalten. Manchmal werden Sie zu lange reden,  manchmal zu kurz.Verschieben Sie die Stichworte hin und her, wenn es nötig ist.
  • Üben Sie die Präsentation noch einmal.
    Wenn es dann schon klappt, gut. Wenn nicht:
  • Üben Sie die Präsentation noch einmal.

Man merkt schon innerhalb der ersten 20 Sekunden, wer geübt hat und wer nicht. Unglaublich, wie lange die Sekunden sein können, in denen der Präsentierende nichts sagt, weil bis zur nächsten Folie noch ein paar Sekunden übrig bleiben.

Die Reaktion der Studierenden ist meistens einerseits Faszination bezüglich des Formats, aber auch ein Stöhnen wegen der strengen Limitierung die es mit sich bringt. Gerade diese Limitierung ist jedoch die beste Übung für freie Präsentationen, die niemanden langweilen sollen. Man schafft es mit etwas Geduld die Dinge auf den Punkt zu bringen und eine eindeutige Verknüpfung zwischen Gesagtem und Gezeigtem herzustellen. Die Selbstbeschränkung hat dabei in den Kursen zu angenehm überraschenden Beispielen von Kreativität geführt, die die strenge Form aufzubrechen versuchten und denen dies meistens auch gelungen ist.

Nebenbei kann die Pecha-Kucha-Form auch noch zwei weitere Probleme beheben, die oft bei größeren Veranstaltungen bestehen, in denen Präsentationen eine Prüfungsleistung darstellt. Zum einen kann man mehr von diesen Präsentationen in einer Sitzung halten lassen. Dass bei der kurzen Zeit die inhaltliche Qualität leidet, stimmt nur bedingt, da der Dozent mehr Zeit hat einzuwirken und noch einmal analysieren (lassen) kann, ob tatsächlich alles Wichtige gesagt sei. Auf der anderen Seite – und ich denke, auch dies ist nicht zu vernachlässigen – langweilen sich Dozent und Kommilitonen weniger, weil die Präsentationen häufiger mit Ihrer Kreativität überzeugen.

Weitere Informationen zu Pecha-Kucha-Präsentationen und vor allem mit vielen Beispielen:

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s