Nachlese zum Fachforum „Leichter als gedacht?!“

Fachforum "Leichter als gedacht"Gestern Nachmittag fand an der Uni Gießen ein Fachforum mit dem Titel „Leichter als gedacht?! – E-Learning-Beispiele aus den Sprach- und Literaturwissenschaften“ statt. Das „Leichter als gedacht?!“ weißt natürlich auf ein Missverständnis hin, das E-Learning seit Anbeginn anhaftet: Dass es mit enormen Aufwand verbunden sei, Lösungen mit Hilfe von E-Learning-Einsatz umzusetzen. Natürlich ist es aufwändig, komplexe Kursinhalte in didaktische sinnvolle E-Learning-Szenarien zu überführen. Die langsame „Infiltrierung“ der eigenen Lehre durch E-Learning ist jedoch mit nicht mehr Aufwand verbunden als das Erstellen eines Dokuments mit Word oder einer Präsentation mit PowerPoint. Im Gegenteil: Gängige E-Learning-Tools funktionieren ähnlich wie Office-Produkte, da die Hersteller dieser Programme frühzeitig erkannt haben, dass Lehrende keine Zeit haben, sich mit den Finessen von Flash oder neuerdings auch HTML5 auseinander zu setzen.

Das Fachforum thematisierte das oben angesprochene Missverständnis aus verschiedenen Perspektiven und „knöpfte“ sich dazu einen Lehrbereich vor, der nicht unbedingt durchgängig als E-Learning-affin gilt (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Der erste Teil des Fachforums beschäftigte sich mit Vorlesungen und wie Multimediatechnik diese älteste aller Veranstaltungsformen in die jetzige Zeit transferieren kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich größtenteils einig, dass die Vorlesung als solche durchaus immer noch ihre Berechtigung hat. Allerdings zeigten Prof. Dr. Hennig und Prof. Dr. Gloning Wege auf, welche Mittel sie benutzt haben, damit Studierende nichts mehr verpassen und sich die Veranstaltung noch einmal in ihrem eigenen Tempo anschauen können. Prof. Dr. Hennig betitelte ihren Vortrag auch dementsprechend „Zurückgespult und unterbrochen – Studierende sehen mich jetzt anders“. Beide Professoren sehen die Vorteile der Aufzeichnung als Video oder Audiodatei in der hohen Verfügbarkeit für die Studierenden, der Nachbereitung der Präsenzphasen und der Vorbereitung auf Klausuren. Weitergehende Nutzungsformen, etwa im Sinne des ICM, sind angedacht aber noch nicht verwirklicht worden. Beide zogen außerdem das Fazit, dass diese Form gar nicht oder nur geringfügig mehr Arbeit macht als die traditionelle Art.

Einen anderen Ansatz, wie man E-Learning-Elemente in die Veranstaltung einbinden kann, zeigt der zweite Teil des Fachforums, der den Einsatz von Wikis in Seminaren thematisierte. Kirsten Iden und Sebastian Schmidt nutzen beide das Stud.IP-Wiki in ihren Veranstaltungen und konnten so die Studierenden intensiver aktivieren. Die Nutzung beschränkte sich nicht nur auf die „klassische“ Art ein Wiki zu nutzen – zum Erstellen einer Enzyklopädie zu einem bestimmten Themenbereich – sondern auch in „umgebogener“ Form, etwa als Bibliografie. Auch diese Form der Nutzung von Technik erleichtert den Dozenten die Arbeit und bringt darüber hinaus den Vorteil, dass Studierende mit einer anderen Motivation an der Erarbeitung von Kursinhalten eingebunden werden können. Dass sich die Diskussion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Fachforum irgendwann nur noch um administrative Dinge drehte, zeigt, dass diese neuen Arbeitstechniken bei den Studierenden schon angekommen sind. Eine Diskussion über technische Schwierigkeiten konnte vernachlässigt werden.

Der letzte Teil des Fachforums hatte eine ungeliebte Komponente der Lehre zum Gegenstand: die Klausuren. Anne Schröter stellte vor, wie die Anglistik an der JLU E-Klausuren einsetzt, um das lästige Korrigieren auf ein Minimum zu reduzieren. Das dabei vorwiegend Multiple Choice Fragen zum Einsatz kommen, muss auch für die Geisteswissenschaft kein Manko sein, wie die Diskussion im Anschluss bewies. Die Fragen müssen nur raffiniert genug gestellt werden, damit der Lernerfolg genauso gewährleistet werden kann. Dass sich diese Testform nicht für alle Gebiete brauchbar ist, war aber ebenso Konsens. Das Problem, dass die Studierenden die Fragen heimlich kopieren und den Kommilitonen zur Verfügung stellen, konnte durch den Hinweis auf die geschlossenen Klausursysteme einerseits und auf den teilweise schon verbreiteten Ansatz der maximalen Transparenz – also das Verfügbarmachen des gesamten Fragenkatalogs – andererseits entkräftet werden.

Auch wenn die vorgestellten Ansätze schon seit ein paar Jahren bekannt sind, konnten alle Vorträge doch eines aus der Praxiserfahrung zeigen: E-Learning macht nicht mehr Arbeit als die „normale“ Vorbereitung, sondern hat vielmehr viele didaktische und organisatorische Vorteile, die die Dozenten nicht mehr missen möchten.

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