Bericht vom Workshop „Web 2.0 in der beruflichen Bildung“

Im Vorfeld zu diesem Workshop bin ich ja häufig reflexartig gefragt worden: „Darf man das denn überhaupt noch sagen: Web 2.0?“ Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass sich der Begriff noch nicht wirklich flächendeckend durchgesetzt hat und doch wieder obsolet wird, denn wo liegt denn mittlerweile überhaupt noch der Unterschied zwischen dem Web und dem Web 2.0? Außerdem hat mich eine Kollegin darauf hingewiesen, dass es im Agentursprech ja nur noch Social Media heißt. (Yeah, that’ll improve things…) Aber da wir alle irgendwie wissen, was wir unter dem Begriff verstehen, will ich mal nicht so spitzfindig sein und einfach einen Bericht über das schreiben, was der Workshop gebracht hat.

Zunächst ging es schon mal mit etwas Verspätung los. Darüber war ich nicht im Bilde, da ich eine E-Mail nicht bekommen/nicht gelesen hatte und auch die Webseite auf der es stand nicht genau genug gelesen hatte. Leider war dann auch noch der Leiter des Workshops erkrankt, die Vertreter haben aber eine gute Arbeit geleistet im Hinblick auf die Tatsache, dass sie erst zwei Stunden vorher davon erfahren hatten. Der Workshop beschäftigte sich mit einigen interessanten Projekten aus der beruflichen Bildung. Für mich war es ein wertvoller Blick über den Tellerrand, da ich mit betrieblicher Weiterbildung noch nicht so vertraut bin.

Nach der Einteilung in zwei Gruppen wurde in unserer Gruppe mit CROKODIL gestartet, einem Verbundprojekt von – unter anderem – TU Darmstadt, TU Kaiserslautern, IBB und Siemens. Frederick Schulz stellte drei Szenarien vor, in denen auf ganz unterschiedliche Weise eine Plattform angewendet wurde, bei der die Teilnehmenden eigenständig gestellte Aufgaben analysieren und ausführen sollten. Tenor: Je mehr Zeit man hat, desto besser klappt im Laufe der Zeit die Benutzung der Plattform. Darüber hinaus spielt die Expertise im Umgang mit Plattformen eine große Rolle und – das Folgende werden wir noch öfter hören – die Wichtigkeit der Dozierenden als Multiplikatoren kann man gar nicht überschätzen. Für mich spielte ein Aspekt eine gewichtige Rolle, nämlich dass es eine Ahnung gibt, dass die Usability einer Plattform eine große Rolle für die Benutzung der Plattform spielt. Je einfacher die Applikation zu bedienen ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie auch für die gestellten Aufgaben benutzt wird und die Lernenden sich nicht schneller in bekannten Plattformen der Aufgabe widmen. [Bitte den letzten Satz mit „gewagte und unbewiesene These!“ markieren.] Man muss sich also gegen die Feature-Fans durchsetzen und die Möglichkeiten auf das Nötigste reduzieren.

Im zweiten Vortrag berichtete Prof. Hoppe von der Uni Duisburg-Essen von FoodWeb2.0, das vor allem interessant ist, weil es sich mit einer Art Train-the-Trainer beschäftigt, das auch bei uns im WM³-Projekt ein zentrales Thema ist. Dabei steht ein behutsames Vorgehen im Vordergrund, das eine Überlastung der Dozenten vermeiden soll. Bekannte Ansätze zur Integration von Social Media (jetzt hab ich’s doch gesagt) werden als Methodenkatalog für die Dozenten angeboten. Wieder wurde herausgehoben, dass die Aktivierung und Motivation der Dozierenden von enormer Bedeutung ist. Prof. Hoppe sprach in diesem Zusammenhang von Change Management, das in allen Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung greifen muss.

Für mich persönlich der interessanteste war der Beitrag von Matthias Rohs und Marcus Feeder von der Telekom, die eine Kompetenzmatrix vorstellten, die Auszubildenden einen Überblick über ihre vorhandenen und noch zu erlernenden Kompetenzen gibt. Die Auszubildenden können sich über die Matrix auch selbst bewerten, bzw. werden vom Ausbilder bewertet und steigern dabei diverse fachliche und überfachliche Kompetenzen. Ich bin gerade dabei, nachzudenken, wie man eine solche Matrix auf unsere Studienangebote übertragen könnte und weiß jetzt, dass es eine Möglichkeit in ILIAS gibt, eine solche Matrix abzubilden. Ich muss mal noch ein paar zusätzliche E-Mails verschicken und Gespräche führen. Aus der Schule sind solche Kompetenzmatrizen ja schon längst bekannt. Wäre es nicht auch wertvoll, gerade bei Weiterbildungsteilnehmenden, die ja möglichst effizient sein wollen, die Studienziele in Kompetenzen zu übersetzen und in einer solche Matrix abzubilden? Ich bin sicherlich nicht der Erste, der darauf kommt. Wie gesagt, nach einigen E-Mails und Gesprächen bin ich da sicher schlauer.

Das Projekt KOLEGEA – vorgestellt von Sabrina Ziebarth – hört sich vielversprechend an, denn es möchte eine Zielgruppe mit Hilfe einer Plattform zusammen bringen, die im Moment nicht davon wissen: Ärzte, die sich zum Allgemeinmediziner weiterbilden. Das Projekt steht gerade am Anfang, es wird sich sicher lohnen, die Entwicklungen zu verfolgen.

Anreizsysteme – der letzte Vortrag von Tina Ganster beschäftigte sich mit solchen im FoodWeb2.0 – spielen für mich nur eine marginale Rolle, da die extrinsische Motivation ohnehin gegeben ist. Die Teilnehmenden an unseren Angeboten wollen schließlich ihre Prüfungen bestehen.😉 Aber Gamification wird über kurz oder lang auch in der Hochschullehre eine wichtigere und ernstzunehmendere Rolle spielen.

Glücklicherweise wurden von der Workshopleitung zwei Personen mit der Protokollierung beauftragt, so dass die abschließende Diskussion von einigen Stichpunkten unterfüttert werden konnte. Sehr schön, dass sich die Protokollanten die Stichpunkte wie bei einem Ping-Pong-Spiel hin und her spielten, so ergänzten sich die Themenschwerpunkte der zwei Gruppen sehr gut:

  • wichtige Rolle des Dozierenden als Multiplikator für Werkzeuge, Methoden und Motivation
  • die Bedeutung der Benutzbarkeit der Werkzeuge
  • die Problematik der Thematik Prüfungen und Datenschutz vor allem in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung wenn Forscher von außen an ein Unternehmen herantreten
  • die notwendige Institutionalisierung von Anreizsystemen, ohne die die Angebote manchmal links liegen gelassen werden
  • interessanterweise aber auch das Hinterfragen von Forschungssettings, die sich mit diesem Themenzusammenhängen beschäftigen

Alles in allem ein gelungener Workshop, der mir einige Ideen für’s Weiterspinnen gebracht hat. Die Beiträge zum Workshop sind auch verschriftlicht worden.

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