Rückblick auf das Fachforum „E-Learning in der Lehrerbildung“

Das diesjährige Fachforum an der JLU Gießen stand unter dem Motto „E-Learning in der Lehrerbildung“ und bot einen ausgewogenen (ich darf das so sagen, ich hab’s nicht zusammengestellt😉 ) Querschnitt an Vorträgen zu Aktivitäten in den drei Phasen der Lehrerbildung: Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung. Das Fachforum war in drei Blöcke geteilt. Der erste Block beschäftigte sich mit E-Learning in der Lehramtsausbildung an der JLU, der zweite bestand aus einer Postersession und bot Projekten aus ganz Hessen die Möglichkeit sich vorzustellen und der dritte Block bot verschiedene Blickwinkel auf das Thema E-Learning in der Schule.

Update: Die Dokumentation des Fachforums ist unter http://www.uni-giessen.de/cms/ff2013 verfügbar.

Fachforum Publikum

Foto: Sabine Scheele

In seiner Begrüßung betonte der Vizepräsident für Studium und Lehre der Justus-Liebig-Universität Gießen Prof. Dr. Adriaan Dorresteijn die Vorteile von E-Learning in der Lehramtsausbildung, die er aus eigener Erfahrung als Biologe kannte. Er warf außerdem einige Fragen auf, die später in den Vorträgen wieder aufgegriffen wurden: Wie können Lehrkräfte E-Learning in ihrem Unterricht einsetzen? Steigert man durch E-Learning die Motivation der Schülerinnen und Schüler? Wieviel Medienkompetenz sollten die Lehrkräfte besitzen?

Ralf Frenger stellte daraufhin das Programm vor und verwies auf die Tatsache, dass die Vorträge und die Postersession lediglich einen Querschnitt der Aktivitäten auf dem vom Fachforum angesprochenen Gebiet zeigen könnte. Wichtig sei aber auf jeden Fall, dass bei dem Einsatz von E-Learning immer ein Mehrwert gegenüber traditionellen Formen des Unterrichtens vorhanden sein sollte. Als Einstieg in die Vorträge zeigte er folgendes Interview mit Prof. Dr. Aufenanger von der Uni Mainz, der darin die Förderung der Medienkompetenz von Lehrkräften fordert.

Interview mit Prof. Dr. Aufenanger auf der didacta 2013

Interessant an diesem Interview ist aus meiner Sicht vor allem, dass wir uns wohl immer noch mit den gleichen Fragen wie vor zehn Jahren beschäftigen. Aber das habe ich hier ja schon öfter geschrieben. Wundern tut’s mich jedenfalls nicht mehr.

Im ersten Block beschrieb darauf hin Sebastian Hedtrich, wie ILIAS in der Chemiedidaktikausbildung eingesetzt wird. Mit Hilfe von Lernmodulen, Selbsttests und Tests können Studierende sozusagen am eigenen Leib erfahren, wie E-Learning in der Chemie eingesetzt werden kann.

Prof. Dr. Thomas Brüsemeister betonte die logistischen Vorteile einer Lernplattform wie Stud.IP bei Massenveranstaltungen. In einem Kurs mit über 1200 Studierenden können einzelne Studierende meist nur schwer aktiviert werden. Werden aber in Stud.IP Kleingruppen organisiert, die in diesem Fall soziologische Feldstudien leisten sollen, ist die Aktivierung kein Problem mehr.

Dr. Christoph Schreiber, der zur Zeit eine Vertretungsprofessur an der JLU wahrnimmt, stellte ein Podcast-Projekt vor, das er an der Uni Frankfurt betreut. Dabei werden sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Studierende aufgefordert, Fragen wie „Was ist Symmetrie?“ oder „Was ist das Besondere an der Zahl Null?“ frei zu diskutieren, und werden dabei aufgenommen. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine immer komplexere Beschäftigung mit dem Thema in einer Tiefe, die selbst die Dozierenden immer wieder erstaunt. Auf die Nachfrage, ob diese Methode nicht sehr viel Zeit in Anspruch nehme, antwortete Dr. Schreiber, hier von Thorsten Larbig in einem Tweet zitiert:

Im zweiten Block, der Postersession, wurden Projekte der hessischen Hochschulen vorgestellt, die sich auf viele verschiedene Arten mit E-Learning in der Lehrerausbildung beschäftigen. Zwei Projekte von der TU Darmstadt und der Uni Kassel beschäftigten sich dabei mit E-Portfolios, in denen die Studierenden digitale Artefakte sammeln und so den eigenen Lernprozess reflektieren. Gleichzeitig bieten E-Portfolios auch eine Möglichkeit den Workload von Studierenden und Dozierenden gleichmäßig auf das ganze Semester zu verteilen.

Postersession Fachforum

Foto: Sabine Scheele

Mein altes Projekt, das Virtuelle Zentrum für Lehrerbildung von der Philipps-Universität Marburg, war auch mit einem Poster vertreten, das mir seltsam bekannt vorkam…😉. Des Weiteren stellten sich die Projekte INVISPO, MoTags, TELPS und Lehr@mt vor. Aus der kurzen Vorstellungsrunde ergaben sich einige angeregte Gespräche.

Nach der Pause forderte Thorsten Larbig von der Schillerschule in Frankfurt eine intensive Beschäftigung mit digitalen Medien in allen Phasen der Lehrerbildung. Laut Larbig ist das Internet längst schon in allen Schulen angekommen, unabhängig davon ob es in der jeweiligen Schule aktiv genutzt wird oder nicht. Die Schülerinnen und Schüler benutzen das Internet für Recherche und Wissensaneignung und darüber hinaus natürlich in ihrer Freizeit als Vernetzungswerkzeug. Wichtig ist es, dass die Schule sich intensiv mit den digitalen Medien auseinander setzt. Denn, so Larbig, „wenn die Schüler die Geräte nur zum Spielen und Konsumieren kennenlernen, werden sie sie auch dafür benutzen“.

Aufzeichnung des Vortrags von Thorsten Larbig

Foto: Sabine Scheele

Abgerundet wurde das Fachforum durch Melanie Knaup und Annette Huppert vom Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) der JLU, die unter dem Titel „Initiativen und Perspektiven für den Aufbau von Medienkonpetenz in der Lehrerbildung“ den Stand der Dinge und die Aktivitäten an der JLU zusammenfassten und durch Jochen Leeder, dem Leiter des Regionalen Medienzentrums Gießen Vogelsberg, der von seinen Erfahrungen aus der Beratung und Schulung von Lehrkräften berichtete.

Die circa 50 Besucherinnen und Besucher des Fachforums bekamen eine gute Mischung an Vorträgen, die die verschiedenen Perspektiven auf das Thema abdeckten. Die ebenfalls durch das Fachforum angestrebte Vernetzung der Verantwortlichen in den drei Phasen nahm im Nachhinein bereits erste Formen an. Und so sollte es ja auch sein.

3 Gedanken zu “Rückblick auf das Fachforum „E-Learning in der Lehrerbildung“

  1. Hat dies auf Inverted Classroom in Deutschland rebloggt und kommentierte:
    Das Thema „E-Learning in der Lehrerbildung“ stand am Mittwoch, den 15. Mai 2013, im Mittelpunkt eines hessenweiten E-Learning-Fachforums an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Das Fachforum konnte Beispiele für E-Learning-Aktivitäten in den drei Phasen der Lehrerbildung aufzeigen und bot zudem die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu E-Learning-Akteuren anderer Hochschulen zu knüpfen. Das Virtuelle Zentrum für Lehrerbildung war natürlich auch vertreten.

  2. Pingback: Rückbilck auf das Fachforum “E-Learning in der Lehrerbildung” | Linguistic Engineering Team

  3. Pingback: Medien machen Schule | Lehrer-Blog

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