Fazit zur Tagung „Zukunftsfaktor Weiterbildung“ in Magdeburg

Der Rote Salon des Gesellschaftshauses

Erleuchtung und Erkenntnisse erwünscht: Der Rote Salon des Gesellschaftshauses

Mein E-Learning-Kollege Heiko Müller von der THM und ich sind vor geraumer Zeit gebeten worden, auf der Jahrestagung des Netzwerks der Transferzentren in Sachsen-Anhalt einen Vortrag im Forum „Weiterbildung und E-Learning – eine gute Kombination?“ zu halten. Daraus wurde dann auch eine Moderation. Das Forum war mit insgesamt fünf Vorträgen gut besetzt und eigentlich war es schon von vorne herein klar, dass wir gnadenlos überziehen werden. Aber,… das war’s wert.🙂

Aber von vorne. Die Foren der Tagung waren natürlich eingebettet in mehrere Vorträge und Diskussionen am Vormittag. Die waren für uns durchaus kurzweilig und informativ. Kurzweilig, da wir mal eine sachsen-anhaltinische Perspektive auf Probleme bekamen, mit denen wir auch zu kämpfen haben. Kurzweilig auch, weil man sehen konnte, wie gut informiert oder gebrieft ein professioneller Moderator seine Sache machte. Informativ, weil man die unternehmerische Perspektive mal wieder bestätigt sah. Informativ auch, weil man sah, wie in Sachsen-Anhalt Weiterbildung zu einem grundsätzlichen Thema gemacht wurde, das alle Institutionen auf dem Schirm haben. Das mag dort an demografischen Zwängen liegen, aber Universitäten weigern sich ja ab und zu, Weiterbildung zum einem Thema auf ihrer Agenda zu machen.

Vom Moderator wurden Heiko und ich dann nach vorne geholt, um „unser“ Forum vorzustellen. Ich hatte mir vorher einige Notizen gemacht, was ich sagen wollte, er aber überraschte mich mit einer Frage zu den Trends im E-Learning. Nun ja, ich kam etwas ins Schwimmen. Sollte ich die aktuellen Buzzwords runterleiern oder in wenigen Worten versuchen zu erklären, wie wir versuchen zielgruppen- und inhaltsspezifisch passgenaue Szenarien und Konzepte im Einzelfall zu entwerfen, die didaktisch sinnvoll sein sollen. Zum Glück entschied ich mich für letzteres, kam aber vielleicht etwas awkward rüber. Auf jeden Fall haben wir den Schwerpunkt dann auch am Nachmittag weiter verfolgt.

Die Vorträge im Forum betrachteten das Thema sowohl aus einer Außensicht – nämlich der niedersächsischen und der hessischen – und einer Innensicht. Aus einer allgemeinen Sicht der E-Learning-Beratung und einer speziellen Sicht der bereits laufenden Masterprogramme. Für uns, die wir uns in der Entwicklung befinden, war es sehr interessant zu erfahren, welche Chancen und Probleme die sich in der Realität bewegenden Master erfahren haben.

Unser Vortrag sei hier nur als SlideShare eingebunden. Vielleicht sollte ich auf die letzte Inhaltsfolie noch etwas genauer eingehen, denn da wird’s interessant.

Bei den Erkenntnissen haben wir aufgeführt, dass es tatsächlich so ist, das E-Learning das beste Mittel für die Zeit- und Ortsproblematik sind. Das ist mittlerweile schon eine Plattitüde, aber so ist es nun einmal. Zu den anderen Punkte möchte ich aber noch ein bis zwei Worte schreiben:

  • Es ist tatsächlich so, dass es einen gewissen Kompetenzerwerb gibt, denn man beim E-Learning „nebenbei“ hat. Das sollte mal jemand erforschen, welche Zusammenhänge es dort gibt, damit man das dann später auch als Argument gegenüber Lehrenden und Lernenden für den Einsatz von E-Learning anführen kann.
  • Für uns ist es von enormer Bedeutung, auf vorhandene Infrastrukturen an den Hochschulen zurückgreifen zu können. Lehrende sind erst einmal erleichtert, wenn sie sich nicht in neue Systeme einarbeiten müssen, sondern wenn die didaktischen Konzepte, die man gemeinsam erarbeitet hat, mit vorhandenen Werkzeugen umgesetzt werden können. Natürlich geht nicht alles. Natürlich sind vorhandene Plattformen manchmal zu unflexibel. Aber dafür sind sie nachhaltig, denn die Hochschule hat sich bereits für ihren Einsatz entschieden, unabhängig von den Projekten, die irgendwann enden.
  • Der Anspruch der zukünftigen Teilnehmenden ist hoch. Sie sind bereits hochwertige Weiterbildungen gewöhnt oder erwarten große Taten von der Hochschule, die ein Renommee zu verteidigen hat. Dementsprechend wird Material – gerade auch E-Learning-Material – erwartet, dass inhaltlich und konzeptuell sehr gut ist.
  • Dadurch entsteht natürlich ein gewisser Druck auf die Lehrenden, der aber über verschiedene Szenarien etwas abgemildert werden kann. Wenn man versucht die Qualität der eigenen Lehre mit E-Learning-Anteilen zu verbessern, diese Konzepte also von vorne herein in die Erstellung von Materialien mit einbezieht, dann ist der Aufwand gar nicht so viel größer. Darüber hinaus bieten bestimmte Szenarien die Möglichkeit, die Studierenden aktiv werden zu lassen und Experten von außen zuzuschalten, was auch zu einer Qualitätssteigerung und Konkurrenzfähigkeit beitragen kann.

Die Probleme bei der Integration von E-Learning liegen natürlich auch auf der Hand. Wir versuchen diese Probleme in den Griff zu bekommen, so gut es geht. Materialdatenbank und Tutorenschulungen sind nur zwei Ansätze dabei.

Das war als sozusagen die Dokumentation unseres Forumsbeitrags. Zum Schluss noch ein paar Punkte, die in allen Vorträgen als Herausforderungen und Chancen genannt worden sind.

Die Inhalte

Tatsächlich ist sowohl bei der Zielgruppenanalyse als auch im laufenden Betrieb bei allen Projekten herausgekommen, dass die Inhalte sowohl vorhanden als auch präzise strukturiert werden müssen. Das gilt für alle Medien, für Arbeitsanweisungen und für Prüfungen gleichermaßen. Der Aufwand ist schon groß, relativiert sich aber ein wenig durch die Verschiebung gewisser Workloads von verwalterischen Tätigkeiten hin zur Inhaltserstellung.

Die Plattform

Im Forum wurde diskutiert, ob die Plattform, die man zur Vermittlung benutzt, eine Eigenentwicklung oder ein bestehendes System sein sollte. Während Frau Dr. Arnold vom Projekt MintOnline die Arbeit an einer eigenen Plattform vorstellte, die genau auf die Bedürfnisse des Projekts zugeschnitten werden konnte, favorisierte Herr Professor Baumann, Leiter des Studiengangs Geoinformationssysteme an der Hochschule Anhalt, die bereits vorhandene Plattform, da aus seiner Sicht eine Eigenentwicklung mit zusätzlichen enormen Kosten und Zeit für die Einarbeitung verbunden sei. Ich kann aus meiner Perspektive verstehen, dass man sich nicht auf bestehende Systeme verlassen möchte. Andererseits sehe ich in der Beratung auch die Erleichterung der Lehrenden, wenn besprochene Szenarien mit ILIAS realisierbar sind.

Die Motivation

Viel besprochen wurde auch das Thema Motivation, das für die Vortragenden von zentraler Bedeutung war. Dabei ging es nicht nur um die Motivation der Studierenden, wie Herr Professor Föllmer, Leiter des Studiengangs Online Radio an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, betonte, sondern auch um die Lehrenden, die sich selbst strukturieren müssen, um die entfernten Studierenden bei Laune zu halten. Im Master CrossMedia der Hochschule Magdeburg Stendal, vertreten durch Frau Falk-Bartz und Frau von Bonin, scheint die Motivation von Lehrenden und Lernenden gleichermaßen gepusht zu werden. Dort kommen Professionelle aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um im gegenseitigen Austausch voneinander zu profetieren.

Ich hoffe, dass die anderen Vortragenden und das Auditorium genauso wie wir einige Impulse mitnehmen konnten, um aus dem Fragezeichen des Forumstitels ein Ausrufezeichen zu machen. Eigentlich war es ja schon etwas frech vom Veranstalter, dort eine Frage hinzustellen. Aber dafür haben wir dann die Veranstaltung zeitlich etwas gesprengt. So hat sich das Ganze wieder ausgeglichen.😉

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