ICC Marburg 2015 – Inverted Classroom & Beyond

Mit ein wenig Abstand zur Inverted Classroom Conference in Marburg diese Jahr kann man vielleicht doch noch eine Rekapitulation schreiben. Auch wenn in der E-Learning-Blogosphäre das meiste ganz schnell laufen muss, allerdings vielleicht immer noch etwas langsamer als in anderen Sphären. Insgesamt war der eine Tag Konferenz wieder sehr informativ und es war schön, mein altes Team wiederzusehen. Es ist schon so eine familiäre Veranstaltung geworden, die ICC. Die Plenarvorträge sind im YouTube-Kanal des VZL Hessen zu sehen.

Für mich gab es diesmal vier Themen, die besonders erwähnenswert sind: Räumlichkeiten, Lernvideos, Dialogorientierung und Evaluation.

Räumlichkeiten

Es hat sich allgemein durchgesetzt, dass Blended Learning die beste Form des Lernens ist. Oder zumindest ist es die Form des Lernens, die sich heimlich, still und leise bei den Studierenden durchgesetzt hat. Auch wenn Rolf Schulmeister gut wiederlegen konnte, dass es so etwas wie eine Net Generation gibt, ist es doch klar, dass der Umgang mit digitalen Medien im Lernen einen ganz anderen Stellenwert hat, als das noch vor 10 Jahren der Fall war. Bei den Studierenden hat sich das jedenfalls festgesetzt. Mehr als bei den Lehrenden. Ob sie diese Erkenntnis dann in konkrete Taten umwandeln ist natürlich genauso fraglich wie ob sie die Hausarbeit rechtzeitig fertig schreiben. Die ganzen Nächte der aufgeschobenen Hausarbeiten sprechen Bände. (Ich war während meines Studium da auch manchmal nicht besser.)

Aber mal abgesehen davon war das Thema Räumlichkeiten eigentlich nur ein Nebenaspekt, der kurz angesprochen wurde. Die Räume, in denen die Präsenzphasen des Inverted Classrooms zwangsweise stattfinden müssen, sind die Räume, in denen seit 1000 Jahren Vorlesungen stattfinden (natürlich sind die Räume nicht so alt, auch wenn sie manchmal so scheinen). Die Struktur ist also als Frontalstruktur vorgegeben. Es gibt viele Ansätze, wie diese Struktur aufgebrochen werden kann, das Beispiel der Uni Basel ist da nur eins. Die ganze letzte GMW-Tagung drehte sich um dieses Thema, aber in den Universitäten ist davon nur sehr wenig zu spüren. Geldmangel mag ein Grund dafür sein, aber bestimmte Dinge kann man auch mit Kreativität lösen. Vielleicht wäre das ein Themenbereich für die nächste ICC, die übrigens (leider für meinen Geschmack) in St. Pölten stattfindet.

Lernvideos

Ein Thema, dass mich momentan umtreibt, sind Lernvideos. Ja, werden Sie sagen, das ist ja ein alter Hut, das macht ja gerade jeder. Stimmt. Was darüber aber häufig vergessen wird ist, dass wir uns viele Gedanken darüber machen, wie Lernvideos in ein Lernsetting eingesetzt werden, aber kaum, wie die Qualität von Lernvideos sichergestellt werden kann. Das will ich hier gar nicht weiter ausführen, sondern nur darauf hinweisen, dass der Vortrag, den ich im Januar beim Lehr-Lern-Kolloquium gehalten habe, noch verschriftlicht und verfilmt werden soll.

Dialogorientierung

Ein ziemlich kurzweiliger Workshop wurde von Christian Freisleben-Teutscher angeboten. Unter dem Titel „Dialogorientierte Methoden“ probierte er mit den Teilnehmenden einige Methoden aus dem Impro-Theater und ähnlichem aus, was Spaß gemacht hat, aber auch zu dem berechtigten Einwand von Karl-Heinz Pape führte, dass man solche Dinge nicht mit allen machen kann. Interessant war die These von Freisleben-Teutscher, dass alle dialogorientierten Methoden so auch in virtuellen Szenarien abbildbar seien. Da ist man erst einmal gewillt zu widersprechen. Aber eigentlich muss man wahrscheinlich nur genügend Kreativität aktivieren, um solche Umsetzungen irgendwie hinzubekommen. Es ist nur die Frage, ab wann so etwas gekünstelt wirkt.

Christian Freisleben-Teutscher hat den Workshop im Blog des SKILL der FH St. Pölten dokumentiert.

Evaluation

Das Thema Evaluation war in zweierlei Hinsicht vertreten. Einerseits in Form des sehr guten Vortrags von Malte Persike von der Uni Mainz, den ich hier einfach mal einbinde, damit man sich selbst ein Bild machen kann.

Andererseits wollte ich eigentlich mal die Eye-Tracking-Software von Tobii ausprobieren, die ein Sponsor der ICC waren. Leider hat das System beim ersten Mal nur eins meiner Augen gefunden und als ich es dann noch mal probieren wollte, waren die Vertreter schon abgereist. Schade, denn die Schnittstelle zu TechSmith Morae, das wir demnächst zur Evaluation unserer Lernmaterialien im WM³-Projekt anschaffen werden, ist schon sehr interessant.

Nichtsdestotrotz:

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