Tag der Hochschuldidaktik 2017 an der THM

Am 30.3. konnte ich an der THM am Standort Friedberg am Tag der Hochschullehre teilnehmen. Es war ein vollgepackter aber sehr informativer Tag mit ganz vielen unterschiedlichen Impulsen, der nun erst einmal in diesem Blogartikel verarbeitet werden will. Ganz subjektiv natürlich, wie es sich für einen Blogartikel gehört…

Los ging es mit der AG QLS an der THM, einem mehr oder weniger losen Verbund von Hochschullehrerinnen und -lehrern, die sich für hochschuldidaktische Themen interessieren und diese in regelmäßigen Treffen diskutieren. Aus dieser AG sind ziemlich vielen unterschiedliche Lehrprojekt hervorgegangen und darüber hinaus auch weitere Initiativen, z.B. zur Formulierung von Grundsätzen für gute Lehre an der THM. Die Gebiete sind dabei so mannigfaltig wie unterschiedlich: von der Optimierung von Lehrräumen (ganz wichtiges Thema, IMHO) über die Personalentwicklung bei Lehrenden bis hin zum eigenen Master MEDIAN_HE sind viele Aspekte von Hochschuldidaktik vertreten.

Nach einem schnellen Snack ging es ein Stockwerk obendrüber weiter mit einem Grußwort der Vizepräsidentin für Lehre Prof. Dr. Katja Specht (die im Übrigen den ganzen Tag über dabei war…) und einer thematischen Einführung in den Tag durch Prof. Silke Bock, der vorher aber noch durch eine Aktivierung durch den Hochschulsport initiiert wurde. Also was für Körper und Geist…

In der Podiumsdiskussion mit Expertinnen und Experten aus den am Nachmittag folgenden Workshops wurde die Frage diskutiert „Wie kann Hochschuldidaktik zukünftig gelingen?“. Leider kann ich aus meinen Notizen nicht mehr ganz zuordnen, wer was gesagt hat, aber von einem oder einer der vier wird es gekommen sein: Dr. Elke Bosse (Uni Hamburg), Dr. Eva Cendon (FernUni Hagen), Prof. Dr. Tobias Seidl (HDM Stuttgart) und Prof. Dr. Marco Winzker (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg). Wenn jemand das Copyright an diesen Aussagen anerkannt haben möchte, bitte eine kurze Notiz in die Kommentare schreiben.

Wichtig war aus meiner Sicht der Hinweis auf die Tatsache, dass man sich fragen muss, ob die Hochschuldidaktik nur durch eine strategische Entscheidung der gesamten Hochschule für eine gute Lehre gestärkt werden kann. Nach meiner Auffassung ist das so. Ich habe gerade wieder in einem Workshop gehört, dass die Lehre bei der Vorbereitung auf Berufungen keine Rolle spiele, dass man sich also auch diesbezüglich nicht darauf vorbereiten müsse, sondern den Schwerpunkt auf die Forschung legen müssen. Ich denke, dass das ein Indiz dafür ist, das die Zweiteilung in Forschung und Lehre an den Hochschulen seit Jahrzehnten eine Schlagseite zur einen Seite hat.

Angesprochen wurde auch, dass es ein immer größer werdendes Problem ist, dass viele Veranstaltungen durch Lehraufträge gesichert werden und nicht mehr vom Stammpersonal gestemmt werden können, weil die Personaldecke einfach zu dünn ist. Was manchmal vielleicht gewinnbringend ist, dass man sich nämlich Expertinnen und Experten von außerhalb holt, um die Praxis in die Hochschule einfließen zu lassen, kann auch ein Problem werden. Das ist dann der Fall, wenn es sich nicht mehr lohnt die Lehrqualität zu überprüfen oder wenn ganz einfach logistische Hürden eine Anreicherung von Lehre durch innovative Methoden verhindern. Ein Lehrbeauftragter sagte mir, dass er sowieso nur Zugang zum Lernmanagementsystem der Hochschule für die Zeit des Semesters hätte und daher nicht vernünftig vorbereiten könnte, was er machen wollte. Außerdem lohnt es sich schlichtweg nicht, sich in der Lehre mit tollen Methoden anzustrengen, denn diese müssen aufwändig vorbereitet werden und dafür gibt’s kein zusätzliches Geld.

Ein Minidiskussion entbrannte im Publikum, als von Anreizen für Professorinnen und Professoren für gute Lehre gesprochen wurde. Sicherlich können Deputatsreduktionen etwas bewirken, aber mal ganz ehrlich: Sollte es nicht mein Anspruch als Hochschullehrer sein, dass ich Stoff gut vermitteln kann?

Interessant wurde es natürlich auch in den Workshops, bei denen man leider aussuchen musste und von neun nur zwei besuchen konnte. Ich entschied mich also dann für die Vorstellung der QPL-Begleitforschung zu Projekten für die Studieneinstiegsphase und hab gleich ein neues Wort gelernt: Tätigkeitsinitiierung (heißt: den inneren Schweinehund überwinden). Im Ernst: es ist interessant, wie manchmal Hochschule an den Bedürfnissen ihrer Studierenden vorbei arbeiten. Die Projekt in der Einstiegsphase sollen das verhindern und das ist auch gut so. Wenn eine Vorlesung als einschüchternd empfunden wird, wie es in den qualitativen Interviews herauskam, dann muss man sich doch fragen, ob das Format grundsätzlich noch benötigt wird, um Stoff zu vermitteln. Sicherlich in späteren Semestern, wenn Gedankengänge von Forscherinnen und Forschern nachvollzogen werden sollen, aber warum muss man Ersties einschüchtern? Selektion? Ist es das, was man möchte?

Der quantitative Teil der Studie arbeitete heraus, dass der Wille zum Lernen schon da ist und der Wille zum Abschluss auch. Aber die Prokrastination (im Vortrag als Antonym „Handlungskontrolle“ auftauchend) schleicht überall hinein. Ob Druck dabei die einzige Lösung ist, oder ob es vielleicht auch weichere Methoden der Aktivierung gibt, wurde nicht abschließend geklärt.

Im zweiten Workshop, den ich besucht habe, stellte Frau Professorin Bock den Masterstudiengang MEDIAN_HE vor, der ein ganz interessantes Ding ist. Zitat von der Website:

MEDIAN_HE stellt eine Besonderheit in der Studiengangslandschaft dar, in dem die wissenschaftliche Vertiefung des ersten Hochschulabschlusses in Verbindung mit wissenschaftlicher Befähigung zu Fragen der Bildung, der Forschung, des Lehrens und Lernens im Hochschulkontext durch diesen Masterstudiengang ermöglicht wird.

Wenn ich die Zeit hätte, würde ich ihn glatt studieren…

Schließlich rundete Dr. Eva Cendon mit ihrer Keynote den Tag nach einer weiteren Einlage des Hochschulsports ab. Die „Hochschule der Zukunft“ stand bei ihr auf dem Plan und sie versteht darunter eine Life-Long-Learning-Hochschule. Sicherlich ist damit gemeint, dass sowohl die Angebote auf die Life-Long-Learning-Bedürfnisse der Gesellschaft ausgerichtet sind, als auch die Hochschule selbst lebenslang weiterlernt, ihre Prozesse in Bewegung zu halten und nicht allzu schwerfällig zu werden. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber Frau Cendon skizzierte einige Lösungsansätze wie jenseits von eingefahrenen Strukturen quergedacht werden kann und die Ansprüche an die Hochschule der Zukunft erfüllt werden können.

Ich musste die Veranstaltung nach dem Vortrag leider verlassen, bin aber sicher, dass beim gemeinsamen Abendessen noch bis spät in die Nacht diskutiert wurde, was zu tun ist. Wie gesagt: es war sehr informativ.

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2 Gedanken zu “Tag der Hochschuldidaktik 2017 an der THM

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