Rückblick auf das Fachforum in Fulda – E-Tutorinnen und E-Tutoren in der Lehre

Fulda ist ja laut dem HR die schönste Stadt Hessens. Bei Tagungen sieht man aber nie so besonders viel von diesen schönen Städten, in denen man sich befindet. Bei diesem Fachforum war es sogar so, dass der Tagungsort ganz nah am Bahnhof lag, weswegen man fast gar nichts von Fulda gesehen hat.

Ziel des Fachforums – oder eigentlich besser gesagt, des Workshops – war es herauszufinden, welche Kompetenzen die meist studentischen E-Tutorinnen und E-Tutoren benötigen, um einerseits Tutorien zu betreuen und andererseits Lehrende zu beraten, wie Online-Tutorien gestaltet werden sollten. Das war wohl nicht ganz uneigennützig, denn es gibt an der HS Fulda ein Programm zur Qualifizierung von Präsenztutoren, das momentan auf E-Tutoren ausgeweitet werden soll, da die HS mehrere Online-Studiengänge im Angebot hat und weitere noch dazu kommen sollen. Für mich selbst wird das Thema E-Tutorien allerdings auch ziemlich wichtig werden, denn im WM³-Projekt planen wir ja ohnehin einen hohen Online-Anteil. Da werden dann eben auch E-Tutoren eine Rolle spielen.

Eine Kollegin meinte mal, dass man am Twittern sehen kann, ob eine Tagung interessant ist oder nicht. Wenn viele Tweets kommen, ist es meistens nicht interessant und die Teilnehmenden müssen die Langeweile eben mit Twittern überbrücken. Bei diesem Fachforum habe ich jedenfalls keinen einzigen Tweet abgesetzt. Und das kam so…

Nach einem kurzen Impulsvortrag kamen die Teilnehmenden am Fachforum in einem World Café an drei Tischen zusammen, an denen jeweils eine Moderatorin und eine Fragestellung warteten. Die Ergebnisse kann man in den Fotos sehen. (Die Texte auf den Postern habe ich am Ende des Artikels als Word-Dokument zum Download bereitgestellt.)

Einsatzszenarien für E-Tutorinnen und E-Tutoren

Einsatzszenarien für E-Tutorinnen und E-Tutoren

Die erste Frage beschäftigte sich mit den Einsatzszenarien für E-Tutorinnen und E-Tutoren. Dabei wurde klar, dass sie einerseits Experten sein sollen, um den Lehrenden bei der Gestaltung der E-Tutorien zu unterstützen. Interessant dabei ist ein Ansatz namens E-Tandem, der bereits an der TU Darmstadt im elc läuft. Dort werden HiWis aus den Fachbereichen über das elc finanziert und als E-Tutoren ausgebildet. Sie kehren dann wieder in die Fachbereiche zurück und werden beratend tätig. Das hat den Vorteil, dass die Hilfskräfte im Fachbereich bereits bekannt sind und darüber hinaus auch einen fachlichen Bezug haben. Sie haben also mehr Wissen über die tatsächlichen Bedürfnisse als „rein“ technische Hilfskräfte. An der Uni Marburg wird gerade ein Qualifizierungsprogramm für Präsenztutoren entwickelt, dass ebenfalls um E-Tutoren erweitert werden könnte. Ich denke, dass man die Tutoren nicht ohne fundierte Qualifizierung auf die Studierenden loslassen sollte. Gerade am Anfang des Studiums spielen die Tutorinnen und Tutoren eine gewichtige Rolle als Rolemodel, denn die Kompetenz, die sie ausstrahlen, färbt auch auf die Studierenden ab. Inhaltlich mögen sie „was drauf haben“, sonst wären sie ja nicht von den Lehrenden ausgewählt worden. Genauso wichtig ist aber auch eine didaktisch-methodische Kompetenz. Darauf komme ich gleich noch mal zu sprechen.

Kompetenzen für E-Tutorinnen und E-Tutoren

Kompetenzen für E-Tutorinnen und E-Tutoren

Die Anforderungen an E-Tutoren, die am zweiten Tisch gesammelt wurden, waren sehr umfassend, aber für eine 1-zu-1-Umsetzung zu umfassend. Hier ging es nämlich um die Kompetenzen, die E-Tutorinnen und E-Tutoren benötigen. Dabei kam mir zugute, dass ich auf der Fahrt nach Fulda ein Buch durchgeblättert habe, dass sich mit eben diesen Kompetenzen noch umfassender beschäftigt. Der Band von Margarete Boos, Andrea Müller und Caroline Cornelius heißt „Online-Moderation und Tele-Tutoring: Medienkompetenz für Lehrende“ und beschreibt ein Angebot zur Qualifizierung von E-Tutoren, dass alle Aspekte dieses Themengebiets abdecken möchte. Dabei wurde jedoch auch im Fachforum festgestellt, dass hier manchmal mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Wenn tatsächlich alle diese Kompetenzen umfassend vermittelt werden sollten, hätte man eine(n) vollständig qualifizierte(n) Lehrer(in) mit Schwerpunkt Onlinelehre. Wir reden aber hier von Studierenden in einem höheren Semester, die als Hilfskraft etwa 40 Stunden im Monat arbeiten und dabei € 8,50 in der Stunde verdienen. Und die darüber hinaus auch möglichst schnell auf einen Stand gebracht werden sollen, dass sie im Semester in einem Tutorium eingesetzt werden sollen. Wenn man dabei 2 Tage für die Qualifizierung aufwendet, ist das schon viel. Es sind also die praktischen Umstände, die mit einer wünschenswerten Idealvorstellung in Einklang gebracht werden müssen. Also eigentlich so wie immer…

Unterschiede zwischen Präsenz- und E-Tutoren

Unterschiede zwischen Präsenz- und E-Tutoren

Am dritten Tisch wurden dann die Unterschiede zwischen Präsenz- und E-Tutoren gesammelt. Die Technik bringt natürlich einiges an Voraussetzungen mit, die von Präsenztutoren nicht erfüllt werden müssen. Als Stichworte möchte ich hier formulieren: Zugänglichkeit, Unmittelbarkeit, Zementierung. Zugänglichkeit bezieht sich natürlich auf die vielen technischen Voraussetzungen, auf die sich der E-Tutor einerseits selbst einlassen muss, um dann auch die Studierenden durch die Systeme zu geleiten. Unmittelbarkeit sollte vielleicht eher Mittelbarkeit heißen, denn die Unmittelbarkeit des Austauschs und vor allem des Feedbacks ist nicht gegeben. Das ist ein Thema, was mich auch schon seit ich mich mit E-Learning beschäftige verfolgt. Schließlich sorgt die Zementierung von getätigten Aussagen, die ja meist verschriftlicht werden müssen oder als Audio- oder Videodatei verfügbar sind, dass sich die Kommunikation verändert.

Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun in der Kaffeepause ihre Diskussionen vertiefen konnten, wurden von den Veranstaltern fünf Poster aufgehängt, auf denen jeweils ein Kompetenzfeld genauer analysiert und die Methoden aufgezeigt werden sollten, wie diese vermittelt werden können. Tenor (und auch das verfolgt mich seit Ewigkeiten): Es gibt nichts Gutes außer man tut es. Die Kompetenzvermittlung muss sich im technischen Setting bewegen, denn nur über eine aktive Beteiligung der E-Tutoren können diese erfahren, was es bedeutet sowohl auf einen als auch der anderen Seite zu stehen. Die Poster mit den detailierten Auflistungen sind in folgender Collage noch einmal zu sehen.

Kompetenzgebiete für E-Tutorinnen und E-Tutoren

Kompetenzgebiete für E-Tutorinnen und E-Tutoren (alle Fotos: E-Learninglabor der HS Fulda http://www.fh-fulda.de/index.php?id=6746)

Als Fazit lässt sich feststellen: Das Fachforum war ein gewinnbringende Veranstaltung, die mit einem gewissen EduCamp-Feeling aufwarten konnte, ohne dass ich je im EduCamp gewesen wäre, aber so stelle ich mir das vor. Manchmal tendiert man zwar dazu mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, wenn man Brainstorming-artig alle Kompetenzen auflistet, die Hilfskräfte so brauchen. Wichtig ist es jedoch, dabei immer daran zu denken, dass Tutoren auch im Laufe ihrer Arbeit einen Prozess zum Kompetenzengewinn durchmachen. Empfehlungen für eine Ausbildung von E-Tutoren werden wir im WM³-Projekt auf jeden Fall auch noch zusammen stellen, allerdings wird das erst passieren, wenn wir soweit sind mit den Angebotsverantwortlichen E-Tutorien zu konzipieren.

Texte der Poster als Word-Dokument

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